D – wie di-ano

„Come and buy some, Obruni!“. Einer der Rufe, der jeden Weißen quer durch alle Märkte der Gegend verfolgt. Wenn eine Transaktion auf solch schamlose Weise angebahnt wird, ist vor Allem als “White-Man“ eine Menge Geschick gefordert. Di-ano – Feilschen, ist allgegenwärtig. Vor Allem als Weißer wird man oft zu unmoralisch teuren Angeboten verlockt. Dem gilt es durch beinharte Verhandlung mit den Marktfrauen oder oft eher gegen die Marktfrauen Abhilfe zu schaffen. Man entwickelt allerdings recht schnell ein Gefühl, wer einfach nur seine Ware an den Mann bringen will, und wer doch gerne den einen oder anderen Cedi mehr einzustecken versucht.

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Reges Treiben am Markt in Sunyani (Foto von Lucia geklaut)

Und dann gibt es noch die Sorte Frau, die jeder Ghanavolo kennt: Du sprichst sie mit einem Twi-Wort an, um freundlich zu sein, sie geht davon aus, dass du die Sprache sprichst und belohnt dich mit einem Schwall an für dich unverständlichen Worten, der erst wieder abbricht, wenn du das gewünschte Produkt und die Lady ihre GHC in Händen hält. Aber immerhin zum Normalpreis. Obruni-Price ist nicht, wenn man nicht mal in einer gemeinsamen Sprache verhandeln kann. Außerdem verwenden viele Menschen noch die alte Währung Cedi die vor einigen Jahren durch Ghana-Cedi (GHC) ersetzt worden ist (100GHC=1Million Cedi), was oft die Verhandlungen erschwert. Ein Schwein für 3 Millionen Ghana-Cedi wäre schon etwas teuer gewesen… Übrigens ist die Inflation in Ghana sehr stark. 2012 war der Wechselkurs zum Beispiel noch etwa 2.3, derzeit bewegen wir uns im Bereich von 4.4 GHC pro €.

Viel Deutsch hört man außer von uns selbst schon lange nicht mehr. Anfangs waren noch Deutsche Monatsvolontärinnen in Odumase, die uns den einen oder anderen Besuch am Volobalkon (und nur dort :P) abgestattet haben.

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Die Monatsvolontärinnen (von links): Sarah, Ursula, Lucia, Katharina & Jenny

Die Exghanavolontärinnen Lea und Maria füllten das entstandene Loch allerdings zwei Wochen später ein Wenig auf. Doch jeder Besuch hat ein Ende und so ist das Volobanner jetzt fest in österreichischer Hand. Allerdings nur bis zum 28. Oktober, denn dann kommt Cäciliä “unsere“ Jahrevolontärin an und bleibt wie wir ein ganzes Jahr. Bis auf die von Zeit zu Zeit auftretenden Kommunikationsprobleme aufgrund unterschiedlicher Mutterspachen (Deutsch und Österreichisch) gibt es nichts Negatives über unsere Freundinnen zu sagen. Und wenns mal wirklich nicht geht, dann heißt es einfach Englisch-Kentnisse auspacken (“Father user“, gell Lucia). Einige Facetten der deutschen Kultur werden wir Österreicher allerdings nie verstehen, wie beispielsweise die Bedeutung von “krass“. Scheinbar gibt es nur eine Regel: Alles von A bis Z kann krass sein. Doch nicht immer. Und wenn doch, dann aber immerhin deutlich erkennbar möglicherweise.

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Ein krasses Foto von Lea und Maria

 

Liest man den Blog, könnte man schon fast glauben unser Volontariat wäre in Deutschland, also wieder zurück zum “Ghanean way of live“. Müsste ich diesen mit nur einem Satz beschreiben wären diese Wohl: “Eine Stunde zu spät und doch pünktlich.“ Mit Terminen nehmen es die Menschen hier nicht so genau. Ein Beispiel: Abendessen am Volobalkon, zwei Freunde sind eingeladen. Einer (Godfred) kündigt an, um 18:00 zu kommen und uns beim Kochen zu helfen, Corgist ist “busy“ und kann daher erst um 19:00 direkt zum Essen kommen. Das Resultat? Wie zu vermuten. Eintreffen Godfred: 19:15. Eintreffen Corgist: ausstehend. Aber mittlerweile stört uns das gar nicht mehr so sehr. Man gewöhnt sich an alles. Von uns vier Volos trägt übrigens nur noch einer regelmäßig eine Uhr. Ein Filmtipp für alle interessieren an dieser Stelle: “Der Schwarze Löwe“, eine österreichische Produktion.

Den Abschluss dieses Blogeintrages möchte ich unserer Schwein- und Hennenfarm widmen. Von den Post-Volos erbaut renovierten wir die ehemalige Ziegenfarm und bauten sie zu einem Gehege für unser Jungschwein “Barbie“ um.

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Schwein Barbie in tierfreundlicher Ex-Goatfarm

Unsere vermutlich schwangere Ziege, liebevoll “Goat“ genannt, hat sich durch den Umbau in freier Umgebung wiedergefunden und lebt jetzt ihr glückliches Leben am rückseitigen Balkon unseres Bungalows. “Goat“ hat mittlerweile einen Goat-Mann von unbekannter Herkunft gefunden. Vom Vollzug ihrer Beziehung wurden wir Volontäre mehr oder weniger unfreiwillig Zeugen.

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Die Farm vor der Renovierung
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Die Farm nach der Renovierung

Das Beschaffen der Hühner zur Bestückung des Hühnerstalls stellte sich als zeitaufwändiger heraus. Die Ghanaer sind für ihre Hilfbereitschaft bekannt und so erklärte sich unser Freund Isaac (auch Lehrer an der Schule) bereit, uns 4 Hühner und einen Hahn zu besorgen. So weit so gut.

Zwei Wochen später fragten wir uns langsam wo unsere Hühner denn blieben. „Fragen kostet nichts“, sagten wir uns und machten uns auf den Weg zu Isaac. Seine Atwort war… ghanaisch. „I don´t know. I have to contact my friend. This evening i will give you the final answer if we are able to get Chicken from him.“ Von einem Zeitpunkt konnte noch garnicht die Rede sein. Zugegebenermaßen war uns das dann nicht mehr egal.

Aber eine knappe Woche später steuerte Isaac schon mit einem fetten Grinnser im Gesicht und einem Karton voll Jungchicken unterm Arm unangekündigt auf unseren Balkon zu. Ende Gut – Alles Gut.

Falls sich jemand wundert, dass es noch keinen Beitrag über Arbeit gibt, nein wir haben nicht Urlaub. In den kommenden Wochen wird jeder der Volos einmal seinen Arbeitsalltag berichten, weshalb wir das Thema bis dorthin aufparen wollen.

written by Paul

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. GonzoD sagt:

    Lustig zu Lesen – Keine Frage!!

    Gefällt mir

  2. Karin sagt:

    Spannend wie immer. Und… Krasse Mädels und krasse „Farm“ :-).

    Gefällt 1 Person

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