E – wie Ete sen?

Kulturelle Einführung nach fast 4 Monaten in Ghana? Mhh, da sind wir wohl ein bisschen spät dran. Mitnehmen lässt sich trotzdem einiges:

Die kulturellen Eigenheiten Ghanas sind teilweise etwas schwer zu erfassen, weil nicht offen darüber gesprochen wird, sondern man einfach mit den Konsequenzen des eigenen, oft unbewussten Falschhandelns konfrontiert wird. Hier hatten wir die Möglichkeit, einmal uns unklare Situationen mit unseren beiden Natives Robert und Benedict zu besprechen.

Ein Beispiel:

Ich als Volontär habe einen Lehrer, der für mich verantwortlich ist. Mr. Inkoom. So wie es sich (wie ich mir dachte) gehört beschränkte ich meine Fragen immer auf Dinge, die den Unterricht betreffen, so wie es sich für einen braven Volontär gehört. Schließlich möchte man nicht unerlaubt in die Privatsphäre seines Chefs eindringen. Sicher ein recht distanzierter Ansatz, aber wie ich glaube doch nachvollziehbar.

Wie auch immer, im besagten Orientierungsseminar wurden wir auf die Wichtigkeit eines unverfänglichen Gesprächseinstiegs hingewiesen. Soll heißen, zunächst mal ein paar Sätze tratschen und erst dann zum Business. Am liebsten haben die Ghanaer das Ganze natürlich in ihrer Landesssprache “Twi“. Gesagt, getan. Am folgenden Montag stellte ich meine kargen Twikenntnisse auf den Prüfstand und wurde prompt mit einer nie gesehenen Freundlichkeit von meinem Chef empfangen. Eine Unterhaltung bringe ich auf Twi zwar noch nicht zustande, aber ein einfaches “Wie geht’s?“, also  “Ete sen?“ ist schon drin. Und siehe da! Plötzlich war das Übernehmen meiner Unterrichtseinheit überhaupt kein Problem mehr. Man kann eben in 4 Monaten keine komplette Kultur kennenlernen, aber Schritt für Schritt tauchen wir tiefer in die Geheimnisse der Ghanaischen Lebensweise ein.

Das Geheimnis der unglaublichen Fitness vieler Ghanaer wird zum Beispiel früh morgens ersichtlich. Wir waren eine Zeit lang der Meinung, dass Sport als Hobby, wenn man einmal Fußball, Basketball und Volleyball außen vor lässt relativ schwach ausgeprägt ist. Tatsächlich gibt es in Odumase aber auch jede Menge Jogger. Doch die sieht man nur zu unchristlichen Zeiten zwischen 5 und 7 Uhr morgens. Ist auch logisch, denn dann geht die Sonne auf und mit der Sonne kommt die Hitze.

Mit dieser Erkenntnis und einem Plastiksackerl voller Wasser bewaffnet fand ich mich eines Morgens um 4:40 zwischen jeder Menge mehr oder weniger motivierten Internatsschülern wieder, für die das morgendliche Joggen einmal im Monat Pflicht ist. Nicht wegzudenken ist auch um diese Zeit – für mich schwer nachzuvollziehen – der Rhythmus, das Singen, das Tanzen. Ich im Halbschlaf, die Schüler im Musikfieber machten wir uns also auf um unsere müden Glieder etwas wachzujoggen.

Wenn man in einer Masse aus etwa 100 singenden Schülern noch dazu seinen Kreislauf anstrengt bleibt man nicht lange müde. Man kann irgendwann einfach nicht anders, als zwar unbeholfen aber doch mitzuklatschen und zu singen. Doch so idyllisch das jetzt alles für den Hobbyjogger klingen mag, war es auch wieder nicht. Den Muskelkater vom Vortag wollte ich mir aus den Beinen joggen. Doch so gemütlich wie erhofft war das Tempo auch wieder nicht. Den Rhythmus im Blut und den Krampf im Wadl ging es also den Hügel hinauf Richtung Odumase…

Man kann es als Vor- oder Nachteil sehen, aber hier in Ghana gibt es im Vergleich zu europäischen Konsumgewohnheiten viel weniger Fleisch zu essen. Vor dieser Reduktion hatte ich im Vorfeld etwas Angst, da ich zu Hause doch fast täglich mein Wurstrad oder meine Scheibe Speck brauchte. Doch mit dem Mangel kommt der Genuss. Es ist nicht leicht zu erklären, dass der von zu Hause mitgebrachte Speck hier in Ghana anders schmeckt. Ein Stück Speck hier bedeutet wieder das, was es eigentlich sollte: Luxus. Und wie sehr Luxus wird einem erst bewusst, wenn man einmal selbst ein Schwein gehalten hat. Man muss einem Schwein bis zur Schlachtreife eine ganz schöne Menge Mais füttern. Aber dafür ist der Genuss dann hoffentlich umso größer.

Die beliebte Frage: “Was gibt’s sonst neues?“ möchte ich mit ein paar aktuellen Bildern beantworten:

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Nicht nur die Burschen aus dem Oratorium kommen ab und zu mal vorbei. Auch die Mädels lassen sich manchmal blicken.
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Mittlerweile haben wir uns einen Fufu Pounder für umgerechnet 25 € gekauft. Beim Stampfen mit dem Pistill müssen wir Volos uns ständig abwechseln. Ghanaer Stampfen oft stundenlang.
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Die Deutsche 10-Monats-Volontärin Cäcilia ist vor 3 Wochen angekommen und besonders bei den Mädchen im Oratorium beliebt.
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Wie man auf vielen Fotos sieht, haben viele Ghanaaer ähnliche Frisuren. Auch Mädchen haben oft fast eine Glatze. Weil man die Kinder nicht durch Frisuren auseinander halten kann, schaut man sich die Gesichter viel genauer an. Anfangs war es fast unmachbar, alle auseinanderzuhalten, mit ein bisschen Übung gehts schon.

 

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