M – Wie Mama G

Die 30te Woche meines Volontariats ist vorüber und wieder einmal habe ich vor Allem Motivation gefunden, einen neuen Eintrag zu verfassen. Das Zeitproblem zieht hier ja nicht so ganz, denn eine Stunde oder zwei bleiben mir fast jeden Tag. Doch ich habe es wirklich zu schätzen gelernt, einfach mal nur dazusitzen und über Gott und die Welt nachzudenken. Nachdem wir in einem kirchlichen Projekt der Salesianer Don Bosco mitarbeiten, bietet sich die Chance, sich gerade heuer mit Jesus & Co auseinanderzusetzen.

Doch die letzte Zeit war eigentlich sogar dafür zu stressig. Aber stressig im absolut positiven Sinn. Neben meinen planmäßigen Unterrichtsstunden, habe ich mir vor kurzem noch 4 zusätzliche Wochenstunden geangelt und unterrichte auch noch zwei kurze Stunden am Samstag für alle, die an zusätzlicher Übung in Mathematik interessiert sind. Die Wochenendeinheit habe ich nicht erst einmal nach einem etwas längeren Freitagabend ein wenig bereut, aber immerhin sind die Schüler dann zur Abwechslung mal motivierter als ich. Jedenfalls kann ich mit Freude sagen, dass mir (fast) jede Unterrichtsstunde Freude macht. Mittlerweile tendiere ich noch stärker als vor meiner Abreise zum Lehramtstudium, was für sich schon einiges über meine Arbeit hier aussagt.

Nachdem ich trotz meiner zusätzlichen Einheiten natürlich trotzdem noch einiges an Freizeit mein eigen nennen darf, habe ich seit letzter Woche begonnen, die Praktischen Einheiten der Künstlerklasse zu besuchen. Und hier kommt Mama G, die Kunstlehrerin ins Spiel.  Ich durfte sogar schon meinen eigenen Stoff färben. Das Prinzip ist einfach: Der zu Beginn weiße Stoff wird in einer Wasserschüssel, in die der gewünschte Farbton als Pulver hinzugefügt wird für einige Zeit gedreht und gewendet, bis die Farbe möglichst flächendeckend vom Stoff aufgesaugt wurde. Anschließend wird der Stoff zum Trocknen in die Sonne gelegt. In der ausgiebigen Wartezeit (typisch für Ghana) bietet sich die Gelegenheit, die wahre Kreativität der Mama G kennen und schätzen zu lernen. Offensichtlich träumt sie schon lange davon, Sekina genannt zu werden und einen ihrer muslimischen Schüler zu ehelichen. Ersterer Wunsch wurde ihr erfüllt, letzterer muss wohl noch einige Jährchen warten. Aber wieder zurück zum Kreativprojekt Stoff.

Exif_JPEG_420
Der Stoff nach dem ersten Mal färben

Mit einem einfärbigen Stoff kann und will sich hier im Land der Farben niemand, nicht einmal ein Obruni (Weißer) wie ich zufrieden geben. Mit der Hilfe von Mama G`s Kreativität gelang es mir nach einiger Zeit, ein Konzept für das Muster des Stoffs zu erstellen. Naja, genau genommen war es wohl zu einem großen Teil Mama G selbst, aber trotzdem war ich auch mit von der Partie. Das Muster auf den Stoff zu bringen war dann wieder meine Aufgabe: Das jetzt knallgelbe Material wird auf einen großen Tisch gelegt und systematisch mit heißem Wachs beschmiert. Scheint auf den ersten Blick nicht sosehr sinnvoll… Aber Moment! Was wenn man einfach einen gewissen Teil des Stoffes mit Wachs bedeckte und in anschließend noch einmal färbte? Würde das nicht heißen, dass die neue Farbe nur an die wachslosen Stellen gelangen könnte? Und genau so wird’s gemmacht. Wie das heiße Wachs auf den Stoff gebracht wird ist Geschmackssache. Es kann geschüttet, gestempelt oder gepinselt werden. Anschließend wird der Stoff noch einmal gefärbt, getrocknet und das Wachs wird herausgekocht. Und Inshallah, es ergibt sich ein wunderbar grün-gelbes Muster im selbst gewählten Design. Noch einmal trocknen, bügeln und dann ab damit zum Schneider Ihrer Wahl. Nächste Woche geht’s dann an die “Tie and dye“ Methode.

dav
Das Ergebnis des Stoffprojektes kann sich sehen lassen,  Nebenbei ist unsere hochschwangere Ziege zu erkennen

Abgesehen von diesem recht erfolgreichen Projekt gibt es diese Woche auch noch vieles anderes zu berichten. Die Woche Begann am Sonntag mit der Anreise von Julians Mutter Simone mit ihrem guten Freund Franz. Das waren dann für Odumase-Verhältnisse schon ziemlich viele Weiße auf einen Fleck. Doch dessen noch nicht Genüge getan, kamen am Dienstag auch noch die Ex-Volontäre Berni und Andi mit ihren drei besten Freunden bei uns im Bungalow an. Dadurch hatten sich die Obrunis in ganz Odumase kurzfristig mehr als verdoppelt, aber das nur als kleines Detail am Rande. Jedenfalls endete jeder fast jeder der gemeinsamen Abende in ewig ausschweifenden Gesprächen über das Projekt, die Leute hier oder einfach nur sinnlosem Getratsche über die Angewohnheiten von Volontären.

img_8209

Auch noch zu erwähnen ist, dass ich am Freitag von einer meiner Schülerinnen “Dora“ gelernt habe, das ghanaische Getränk “Pito“ herzustellen. Es wird aus einer Art Malz und komischen Holzstücken names “Okro-Stick“ in einem großen Kessel gebraut.

Exif_JPEG_420
Pito-Produktion

Zusätzlich dazu habe ich es endlich geschafft, einige meiner Schüler wie vor einer halben Ewigkeit versprochen zum Fufu pounden und essen einzuladen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und gemeinsam mit diversen Gottesdiensten (3 an der Zahl) war die Woche auch schon gefüllt und so schön der Besuch von zu Hause auch war, irgendwie bin ich auch froh, wenn morgen wieder Ruhe im Volobungalow einkehrt und alles wieder seinen gewohnten Gang gehen kann.

PS: Happy Birthday Mama!

Advertisements

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Edith sagt:

    Das ist aber schnell gegangen von F nach M! Aber der Zeitraum zwischen der Veröffentlichung von F zu der von M war ja wenigstens sehr kurz!
    Sehr hübsch schaut deine Batik-Kunst aus! Ich habe vor längerer Zeit selbst auch gebatikt – das gelingt sogar mir, obwohl ich leider in bildnerischer Kunst alles andere als begabt bin.
    Fein, dass dir die Arbeit mit den Jugendlichen so Spass macht! Wenn du wirklich Lehrer oder Professor werden willst, ist das sicher ein ideales Training.
    Bei uns in Österreich wird es jetzt ENDLICH langsam Frühling. Die Schneeglöckchen blühen schon, die Violen haben sich nach dem kalten Winter auch erholt und die Primeln fangen auch schon zu blühen an. Auch die Dirndln haben schon Blüten angesetzt. Und die ersten Chilis und Paprika haben auch schon die ersten Blätter gebildet (natürlich im Gewächshaus).
    Wir freuen uns schon darauf, dich wieder in Österreich zu haben, wenn es auch noch ein paar Monate dauert bis dorthin.
    Edith und Jörg

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s