H – wie haash

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Heute möchte ich mich unter anderem mit dem Thema Sprache in Ghana beschäftigen. Die Hardfacts vorweg zusammengefasst: Die offizielle Landessprache ist Englisch, was auf die früheren britischen Kolonialherren zurückzuführen sein dürfte. Eine der vielen lokalen Sprachen wie “Twi“, “Fante“ oder “Ewe“ wäre schlicht und einfach nicht möglich gewesen, weil diese nur in speziellen Teilen Ghanas gesprochen werden. Insgesamt gibt es angeblich sogar knapp 200 Sprachen und Dialekte. Manche davon werden nur von wenigen tausend Menschen gesprochen. Das ist vermutlich so, weil Reisen, selbst innerhalb des Landes nicht alltäglich ist. Manche Menschen verbringen sogar ihr ganzes Leben am gleichen Ort. Viele meiner Schüler waren zum Beispiel noch nicht einmal in Ghanas Hauptstadt Accra.

Zurück zur Sprache: Selbst das hierzulande übliche Englisch hat oft nur wenig mit dem zu tun, was wir uns darunter vorstellen. Es ist schwierig zu erklären, auf welche Art und Weise sich das ghanaische Englisch vom so oft als sauberstes Englisch genannten “British English“ unterscheidet. Schwierig deshalb, weil es einfach zwei sehr unterschiedliche Sprachformen sind. Ganz sicher kann man behaupten, dass die Anzahl der verwendeten Vokabeln im African English drastisch niedriger ist. Als Kompensation für den Ausfall der grammatikalischen Raffinessen und der komplizierten Begriffe, sind hier im allgemeinen Sprachgebrauch viele Gesten und Laute zum Ausdruck diverser Gefühle in Verwendung. “Haash“ ist ein Ausdruck der Verwunderung, “Aaah“ ein Zeichen der Ungläubigkeit, “Eeeei“ eine Andeutug von Ärger und so weiter und so weiter.

Ein weiterer Punkt, der mir des schon des Öfteren aufgefallen ist, ist die “Verdoppelsilbung“ gewisser Worte. Zum Beispiel einsilbige Namen werden generell auf irgendeine mehr oder weniger kreative Weise in Zweisilbige Spitznamen transformiert. “MaxMax“ oder “PaulPaul“ sind eher einfallslose Beispiele. Dieses Tool der Verdoppelung kommt auch oft zur Verstärkung von Worten zum EInsatz. Slow (Langsam) wird zum Beispiel zu slowslow (Sehr langsam). Solche Eigenheiten machen es schwierig, sich von Anfang an gut gegenseitig zu verstehen, doch mittlerweile haben wir die meisten Besonderheiten schon ganz von selbst in unser Vokabular aufgenommen. Und was bedeutet wohl: “Is for who?“

So jetzt aber genug von den grammatikalischen Stolpersteinen des Ghana-Englisch.

„Früher oder später muss es sowieso sein!“, meinte mein Mitvolo Manuel eines Dienstagsabends. Die Rede war von den notwendigen Ausbesserungsarbeiten an unserer etwas in die Jahre gekommenen Farm. Und da mittwochs ohnenhin der wöchentliche Großmarkt in Sunyani stattfindet wurde aus früher oder später, früher. Mittwoch, 9:30, ab zum Wednesday Market und nur ein Ziel: Holz für unsere Farm. Man setzt sich also in ein Taxi, das einen für 40 Cent direkt zum Marktgelände bringt (10 Minuten Fahrt) und sieht sich mit einer Fülle von Ständen und Angeboten konfrontiert. Jetzt nur nicht ablenken lassen… Oje, ein Stoffladen. Die Farben sieht man schon von weitem, und dann erkennt man das eine Muster, das in diesem Moment schöner erscheint, als jedes andere, das man bisher gesehen hat. 2 Yards kosten eh nur 15 Cedi… Egal pack ma ein den Stoff!

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Reges Treiben am Wednesday Market (Der junge Mann mit der Scheibtruhe (Schubkarre) ist übrigens so etwas wie ein mietbarer Einkaufswagen)

Und so ergab es sich, dass Manuel und ich auf unserer Rückfahrt außer den Unmengen an Brettern auch noch einige Meter Stoff, sowie eine aus Schrott gebaute Langhantel und eine Wasserwaage (Schließlich sind wir ja HTL-Absolventen) im Gepäck hatten. All das musste gemeinsam mit uns auf ein Motorrad mit Ladefläche passen. Manuel nennt diese Gefährte liebevoll “TukTuk“ (Achtung, Ghanaische Verdoppelsilbung), was für sich schon alles über diese hoffnungslos untermotorisierten Fahrzeuge aussagt. Voll beladen und bei jeder kleinsten Steigung im ersten Gang gings über die marode Straße zurück zum Volobungalow.

sdr
Die TukTuk-Fahrt

Zwei Stunden, 3 Liter Schweiß, gefühlte 1000 Nägel und einen schmerzenden Daumen später war es vollbracht. Nie wieder würde irgendein Tier, egal ob Schwein oder Ziege aus unserem Gehege entkommen, wie es in der Vergangenheit schon so oft der Fall war. Und übrigens, ja, die Wasserwaage hat ihren Zweck erfüllt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wer sich jetzt – und das zurecht – fragt, ob ich neben meiner Tätigkeit als Farmer noch etwas sinnvolles mache, dem kann ich versprechen, dass ich meinen Nebenberuf als Lehrer im Don Bosco Technical Institute trotzdem noch sehr ernst nehme. Im Moment genieße ich aber die wohlverdiente (?) Ferienwoche zum Unabhängigkeitstag Ghanas (6. März).

Ich werde einen der nächsten Blogeinträge ganz meiner Lehrtätigkeit widmen. Da der Zeitpunkt dieses Eintrags aber noch ungewiss ist, möchte ich heute als Abschluss einige FAQs beantworten. Sollte es noch Fragen oder Vorschläge von Themen, über die ich schreiben soll geben, würde ich mich freuen, wenn ihr mir diese zukommen lassen würdet. Ich werde diese dann im nächsten Blog beantworten.

Kurz die Möglichkeiten, mit mir in Kontakt zu treten:

email: p.domberger@gmx.at

Facebook: www.facebook.com/paul.domberger

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Also die FAQs:

  1. Wie bist du zum Volontariat gekommen?

Ich habe in meiner Schule mitbekommen, dass einer der Absolventen vor kurzem ein Auslandsjahr in Kambodscha gemacht hatte. Das brachte mich dazu, mich selbst mit dem Thema Volontariat auseinanderzusetzen. Durch den Zivildienstbeauftragten unserer Schule wurde ich an die Pfarre Frastanz weitergeleitet, welche den Einsatz des besagten Absolventen organisiert hatte. Von dort wurde ich auf die Website http://www.volontariat.at verwiesen. Auf der Website konnte man sich direkt für einen Infotag bewerben. Ich wurde eingeladen und schließlich und endlich als Volontär akzeptiert. Dass ich nach Ghana komme, wurde erst während der Vorbereitung auf das Volontariat festgelegt.

  1. Was ist konkret deine Aufgabe im Projekt?

Ich unterrichte im Don Bosco Technical Institute (einer Art 3jährigen HTL) Mathematik und bin außerdem seit kurzem für die Schulwebsite zuständig. Die Website ist: http://www.sdbsunyani.org/

Da ich mich erst einnarbeiten muss, wird die Website frühestens in einer Woche halbwegs aktuell sein.

Bald werde ich außerdem beginnen, das Programm FreeCAD zu unterrichten.

Mit Abchluss des DBTI ist man in Ghana berechtigt, weiterführend auf einer Universität zu studieren.

  1. Wie alt sind deine Schüler?

Gennerell ist der Abschluss von 9 Jahren Schule (6 Jahre Primary School und 3 Jahre Junior High Schol) notwendig, um am DBTI aufgenommen werden. Da sich manche Eltern die Kosten für die Bildung ihrer Kinder nicht leisten können, kommt es vor, dass zwischen den einzelnen Schuljahren eine Pause eingelegt werden muss. Die Schüler sind aus diesem Grund zwischen 17 und 25 Jahre alt.

  1. Welche Stoffgebiete unterrichtest du?

Derzeit lautet das Thema: Operationen in unterschiedlichen Zahlensystemen (zum Beispiel Binäres Zahlensystem). Am Lehrplan standen auch schon partielles Wurzelziehen, Binomische Formeln und Quadratische Gleichungen.

  1. Wie läuft die Finanzierung des Volontariats ab?

Am Beginn der Vorbereitung für das Volontariat bezahlt jeder Volontär 3000€ an Kaution, die er aber durch das Sammeln von Spenden wieder rückerstattet bekommen kann. Die ersten 1500€ der gesammelten Spenden gehen an die Organisation, die mir dieses Jahr ermöglicht, um die Einsatzkosten voll abzudecken (Insgesamt kostet der Einsatz über 10000€.)

Derzeit versuche ich, zumindest die 1500€ zusammenzubekommen, um durch meinen Einsatz zumindest kein Budgetloch zu hinterlassen.

Zum Sammeln der Spenden gibt es ein Konto, auf welches jede Höhe eines Betrages (Beginnend mit 0,01 €) eingezahlt werden kann. Sollten Sie also noch irgendwo Geld haben, von dem Sie nicht wissen wofür Sie es ausgeben sollen oder mir und meiner Organisation einfach nur ein wenig helfen wollen, bitte ich, welchen Betrag auch immer auf das folgende Konto zu überweisen. Jeder Euro zählt:

JEW DB Aktion Österreich Volontariat

IBAN: AT39 3600 0006 0002 4000

BIC: RZTIAT22

Verwendungszweck: Volontariatseinsatz Domberger Paul

Spenden auf dieses Konto sind steuerlich absetzbar.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Martin sagt:

    Very interesting reports about your ongoing adventure in Africa. I really appreciated the read!
    Actually Gunnar (you might know him well :)) directed me to your blog. And I have to admit it is really
    worth to check it out!
    I definitely admire your courage and engagement in Ghana!

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